Warum iBooks Author besser iAuhtor geworden wäre
Posted: Januar 21st, 2012 | Author: michael | Filed under: Digitalisierung | No Comments »
Mein erster eigener Computer war ein Apple. Er sah wahsinnig gut aus, oder sagen wir – er sah wahnsinnig anders aus – war instabil, langsam und insgesamt eine Enttäuschung. Als man ihn mir Jahre später zusammen mit meinen alten CDs, den Vorhängen und sonstigem Gelump aus dem Keller klaute, empfand ich nachträglich eine besondere Form der Befreiung und wünschte dem neuen Eigner viel Glück. Trotzdem glaube ich, dass 80 Prozent der fiebernden Apple-Gemeinde das gleiche gedacht haben wie ich: wäre Steve noch da, hätte er mindestens ein neues iPAD unter dem Arm gehabt. OK, so ist es iBooks Author geworden
Seitdem beisst in mir die Frage, warum das neue große Ding nicht einfach iAuthor heißt. Ich muss das klären, meine hilflosen Erklärungsversuche bedürfen sicher der kritischen Betrachtung, aber irgendwo muss ein Anfang gemacht werden:
GarageBand, iMovie, iTunes, iErmann…
Geben wir es zu, in dieser Produktfamilie ist nur eine Anwendung wirklich erfolgreich geworden und das ist ausgerechnet diejenige, die noch am wenigsten mit ihrer eigentlichen Aufgabe verwandt ist, nämlich diejenige Musikbibliothek zu sein. Der Siegeszug des Content-Apfels begann mit iTunes, einer Software, die heute zur Standardinstalltion der meisten Heimcomputer zählen dürfte.
Der sagenhafte Auftstieg einer simplen Musikbibliothek ist im Grunde einfach zu erklären: der angeschlossenen Musikladen und die Möglichkeit der Synchronisation mit einem mobilen Abspielgerät ergaben die ersten Ansätze dessen, was wir heute “Ökosystem” nennen und was es dem Kunden so sehr einfach macht aus der “Möglichkeit” eine “Anwendungssituation” zu gestalten. Oder kurz gesagt: es ist nicht nur technisch möglich, es deckt auch einen realen Bedarf sinnvoll ab.
Der eigentliche Erfolg basiert für mich übrigens auf zwei ganz anderen Komponenten: dem optimalen Preis (99 Eurocent waren im Hinblick auf die Preisbereitschaft der Kunden – einfach der einzige wirklich realistische Verkaufspreis für digitale Musik zu dieser Zeit) und der Entscheidung iTunes wenn nicht gleich plattformunabhängig, so doch zumindest in einer PC-Variante kostenfrei anzubieten. Diese Entscheidung hat zu einer überwältigenden Akzeptanz bei den Anwerndern geführt, die es ihnen erleichtert hat – zumindest für den mobilen Einsatz – auf Apple-Geräte zurückzugreifen und die iTunes und Apple ingesamt letztlich zum Durchbruch verholfen hat. Und iAuthor (sorry, ich muss es so nennen)? tritt es in die Fußstapfen?
Nunja, iAuthor hat ja wenig gemein mit iTunes, also müssen wir die Paralleln wohl eher woanders suchen, also bei iGarage, iMovie, iPages und Co.
In irgendeinem Newsfeed habe ich gelesen: “Wenn iAuthor so einfach wird wie GarageBand dann wird es ein Erfolg”. Aha. Also so erfolgreich wie GarageBand? Folglich nicht so wahnsinnig erfolgreich, oder? GarageBand ist eine interessante Software für interessierte Anwender – und diese Zielgruppe würde man wohl am besten so umschreiben: Hobbymusiker ohne Ambitionen. Oder mal in Milieus gedacht: Siggi, Mitte vierzig Alleinunterhalter mit Yamaha PSR 380 Keyboard und Mallorca im Blut. Ein klassischer Special-Interest.
GarageBand ist sicher eine gute Software, aber kein Grund sich einen Apple zu kaufen.
Eine ähnliche Entwicklung vollzieht übrigens auch iMovie. Das ist auch für Siggi mit seiner flotten kleinen JVC, mehr nicht und kein Grund iMovie aus der Apple-Familie zu lösen und eben kein Grund einen Apple anzuschaffen. Den hat schon eher Final Cut gegeben. Ein sensationelles Schnittprogramm, das seiner Zeit weit voraus war und der Konkurrenz (Avid) das Fürchten lehrte . Final Cut (oder Studio) war schneller, besser, günstiger und ein Argument für die Systementscheidung. Diese Gedanken muss man sich nicht mehr machen, die Weiterentwicklung wurde eingstellt. Viele Experten sagen, ein schwerer Fehler.
Für Laien zu viel, für Profis zu wenig
An was ich aber wirklich denken musste als ich zuerst von iAuthor las ist Pages. Kennt das noch jemand? Hat da wirklich mal jemand mit gearbeitet? Pages ist vor einigen Jahren mit dem Slogan “Webpages für Jedermann” (oder so ähnlich) vorgstellt worden und ist Teil des iWork Softwarepaketes. Damals großes Trara, Alternde Männer mit tief sitzenden Hosen eilten in mein Büro um mir zu verkünden: Du bist bald Deinen Job los, jetzt kann sogar ich die Webseite betreuen! Achselzucken, Irritation, Zweifel und eine erste Kostrobe der Manipulationsgabe eines Technologiekonzerns. Eine Software ohne Zielgruppe, ohne realistisches Anwendungsszenario, ohne Begeisterung. Und für Pages gilt was für alle Mitglieder (mit Außnahme von iTunes gilt): für Laien zu viel, für Profis zu wenig. Menschen mit Passion und Hingabe reicht es nicht kreativ zu sein in den Vorgaben eines Softwareunternehkmens, sie wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen, sich ausdrücken auf die bestmögliche Art und Weise – und nicht ständig an die Grenzen der Einfachheit stoßen. Wer das Besondere will, geht auch den schwierigen Weg, wer Einfachheit will, muss das Besondere ausklammern.
Und da ist er, mein Erklärungsversuch für den irgendwie beschränkten Namen des neuen großen Apple-Wurfs: iAuthor kann eben auch nur eines, nämlich iBooks erstellen. Das ist schon was, aber eben nicht mehr als nötig. Das drückt der (korrekte) Name “iBooks Author” schon richtig aus. Eine Software, um iBooks zu erstellen. Das ist gut – und wahrscheinlich Apples Antwort auf die SelfPublishing-Ansätze von Amazon, aber eine Revolution? Da muss ich mich enttäuschen, eine Revolution wäre iAuthor gewesen, eine Software, um eBooks zu erstellen, schnell einfach, besonders, für Laien wie Profis – und auch für den PC.


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